Leben oder Tod? Die Auswirkungen deiner Handlungen sind entscheidend für Tiere

Geschrieben von Matthias am in Blog

In diesem Artikel möchte ich mit dir über die Auswirkungen deiner Handlungen sprechen. Du, ich und viele andere tierliebende Menschen haben folgende Baseline im Kopf.

So viele Tiere wie möglich vor Leid zu bewahren und und so vielen Tieren wie möglich zum Glück zu verhelfen.

Die Frage ist jetzt nur die, wie das am Besten bewerkstelligt werden kann. Hierfür gibt es folgende Grundregel.

Grafik Aufwand-Ertrag Veranschaulichung

Um Tieren effektiv zu helfen, ist es wichtig, mit dem geringstmöglichen Aufwand den höchstmöglichen Ertrag zu erzielen. Mit anderen Worten so effizient wie möglich zu handeln. Es ist deswegen notwendig, da unsere Ressourcen nicht unbegrenzt sind, unsere Ressourcen für Tiere so effizient wie möglich einzusetzen, damit eine größtmögliche Zahl an Tieren vor Leid bewahrt werden bzw. einer größtmöglichen Anzahl von Tieren zum Glück verholfen werden kann.

Exkurs: Effektivität & Effizienz
Effektivität beschreibt das Maß der Zielerreichung, ohne den Aufwand zu betrachten. Wenn das Ziel die Leidvermeidung von Tieren ist, dann ist ein Mittel dann effektiv, wenn es das Ziel der Leidverminderung von Tieren fördert. Je mehr ein Mittel das Ziel fördert, um so effektiver ist es.
Wenn also ein Mittel mehr Tierleid verhindert als ein anderes, dann ist es effektiver, ganz gleich wie viel mehr Aufwand das Mittel im Vergleich zum anderen Mittel erfordert. Es geht hier darum das Richtige, d.h. etwas Zielförderndes, zu tun.
Effizienz beschreibt das Kosten-Nutzen Verhältnis. Hier wird anders als bei der Effektivität nicht nur der Ertrag, sondern auch der Aufwand betrachtet. Es geht darum die richtigen Dinge (Effektivität) richtig (Effizienz) zu tun. Da Effizienz nichts bringt, wenn das Falsche, also Ineffektives, getan wird, ist Effektivität der wichtigere der beiden Punkte.
Nur bei effektiven Handlungen, die überhaupt zielfördernd sind, macht es Sinn über die Effizienz nachzudenken. Effizienz spielt vor allem bei etwa gleich effektiven Mitteln eine Rolle, bei welcher die Entscheidung für das jeweilige Mittel davon abhängt, welches Maß an Aufwand aufgewendet werden muss.

Ich habe für dich 3 Kategorien erstellt, welche Auswirkungen Verhalten haben kann.

1.  Auswirkungen des rein eigenen Verhaltens

Veranschaulichung Aufwand-Ertrag Einzelperson

Was ist damit gemeint?

Du verzichtest vielleicht auf Fleisch, auf Eier, auf Milch und andere tierische Produkte, weil du weißt, dass diese mit Leid verbunden sind und du nicht an dem Leid beteiligt sein möchtest. Das ist auch rational, logisch und richtig, aber es kann ab einem gewissen Punkt sein, dass Aufwand und Ertrag in keinem positiv wirkenden Verhältnis mehr stehen. 

Beispiel:

Du möchtest keine Kekse kaufen, die an 18ter Stelle der Zutatenliste Laktose beinhalten. Laktose ist ein tierischer Bestandteil und wird aus der Milch gewonnen.

Die Milch wiederum kommt von der Kuh und damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie immer wieder ein Kalb bekommen, welches ihr gewaltsam entrissen wird und für die Mutter und das Kind ein traumatisches Ereignis mit viel Leid darstellt. Genaueres kannst du hier nachlesen.

Du entscheidest dich für laktosefreie Kekse, welche jedoch das Doppelte kosten wie die laktosebeinhalteten Kekse. Nun kann es so sein, dass du für Tiere mehr hättest erreichen können, wenn du doch lieber die laktosebeinhalteten Kekse gekauft und den gesparten Aufpreis an eine effektive Tierrechtsorganisation gespendet hättest.

Denn die effektive Tierrechtsorganisation kann insgesamt mehr Leid für Tiere verhindern und mehr Tieren zum Glück verhelfen, als du es alleine kannst, wenn du auf ein paar Milligramm Laktose verzichtest. Hierzu mehr in Punkt 3. weiter unten.

Auch kann es sein, dass dein Verzicht auf Kekse mit Laktose als 18tem Bestandteil auf andere Menschen negativ wirkt und diese nun überzeugter an ihrer Ernährungsweise mit tierischen Bestandteilen anhängen und der pflanzenbasierten Ernährungsweise ablehnender gegenüberstehen. Hierzu mehr im Punkt 2) weiter unten.

Auswirkungen

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Aufwand im Vergleich zum Ertrag beim rein eigenen Verhalten relativ hoch ist. Dies gilt umso mehr wie versucht wird, näher an die 100%ige Konsequenz zu gelangen.

Es fühlt sich jedoch viel bedeutender für einen selbst an. Hier ist nämlich der Bereich unseres Charakters, unserer eigenen Persönlichkeit betroffen. Das Werteverständnis eines Menschen basiert auf seinen Entscheidungen. Es definiert uns. Und genau deswegen messen wir diesem Punkt eine erheblichere Bedeutung zu, als dieser es objektiv betrachtet verdient hat.

Häufig ist es jedoch so, dass dieser Punkt in der veganen Debatte in der veganen Community den höchsten Stellenwert einnimmt. Hier drehen sich Debatten oft darum wer nun der veganste aller Veganer ist, wie xyz noch veganer sein könnte, was an einem Hersteller noch alles unvegan sein könnte, etc..

Diese Diskussionen drehen sich zwar um logische Aspekte, bringen in der realen Welt aber kaum Ergebnisse im Sinne der Tiere.

Dadurch, dass in diesem Punkt immer nur eine einzige Person involviert ist, sind den Auswirkungen Grenzen gesetzt. Die Auswirkungen können durch dich allein einfach nicht die Ausmaße erreichen, wie wenn mehrere Menschen involviert sind (Punkt 2. und 3.). Dies gilt ganz gleich wie konsequent du bist.

Der allseits bekannte Spruch in der veganen Community Die Vermeidung des Vermeidbaren versinnbildlicht diese Ineffizienz. Je mehr man sich dem „wirklich“ Unvermeidbaren annähern möchte, wo ohnehin keine objektive Grenze was nun unvermeidbar ist und was nicht gezogen werden kann, umso mehr Ressourcen werden letztendlich für immer weniger Ertrag verschwendet.

2. Auswirkungen deines Verhaltens auf andere

Veranschaulichung Aufwand-Ertrag auf mehrere Personen

Was ist damit gemeint?

Nehmen wir wieder das obige Beispiel mit den Keksen. Du bist auf einer Party und alle Partygäste lieben diese Kekse, welche an 18ter Stelle der Zutatenliste Laktose beinhalten. Du verzichtest öffentlich für alle Partygäste sichtbar auf diese Kekse und begründest auch deine Entscheidung.

Du erhoffst dir nun, dass die anderen Partygäste deine logische Argumentation annehmen, dass nämlich für die Kekse durch die Laktose Kühe und Kälber leiden müssen und sie ungefähr so reagieren.

„Was du sagst, klingt wirklich schlüssig. Wir mögen auch kein Tierleid. Danke, dass du hier mit positivem Beispiel vorangegangen bist. Wir werden nun auch auf diese Kekse verzichten.“

Die Realität sieht leider anders aus. Die meisten Partygäste werden negativ auf deinen Verzicht und deine Begründung reagieren. Sie werden eher so denken.

„Waas? Noch nicht mal so leckere Kekse nehmen Veganer zu sich? Wegen dem bißchen Laktose? Vegan ist echt so freudlos, so extrem, so absolut unmöglich. Sei uns nicht böse, aber so wie du möchten wir auf keinen Fall werden und leben.“

Auswirkungen

Und eine solche Wahrnehmung durch andere ist eine Katastrophe für Tiere. Denn nun werden sich die Partygäste noch bestätigter fühlen, dass die „normale“ Ernährungsweise, welche auch tierische Bestandteile enthält, die richtige ist, um in der Welt Lebensfreude empfinden zu können.

Nur so kann eine Party mit Keksen, die alle einfach lieben, unkompliziert gefeiert werden. 

Wenn du aber im obigen Beispiel den anderen Partygästen positiv aufgefallen wärst, beispielsweise in dem du wie die anderen auch die leckeren laktosebeinhalteten Kekse gegessen und gleichzeitig noch eine leckere vegane Alternative mitgebracht hättest, dann wäre deine Außenwahrnehmung für Tiere ein echter Gewinn!

Du hättest den anderen Partygästen aufgezeigt, dass man Tierliebe, Kreativität und Freude am Leben verbinden kann. Das Veganer auf einer Party unkompliziert und dennoch gewinnbringend für Tiere auftreten können.

Dieser Punkt ist sehr viel bedeutender als Punkt 1. Jedoch wird diesem Punkt oftmals eine geringere Bedeutung beigemessen, eine falsche Bedeutung beigemessen und am häufigsten wird dieser Punkt gar nicht wahrgenommen.

Deine Wahrnehmung auf andere Menschen ist von großer Wichtigkeit, da hier nicht mehr wie in Punkt 1. nur eine Person involviert ist, sondern mehrere Personen.

Selbst wenn mehrere Personen durch deine positive Beeinflussung auch nur über ihr Tun anfangen nachzudenken oder gar nur zu geringen Verhaltensänderungen angestoßen werden, ist die Auswirkung sehr viel erheblicher, als es deine rein eigenen Handlungen jemals sein könnten, ganz gleich wie konsequent du bist.

Eine falsche Bedeutung kann dann beigemessen werden, wenn du z.B. denkst, dass gerade deine Konsequenz doch die meisten Menschen auf Grund ihrer Logik überzeugen wird, ganz gleich, dass die jahrzehntelangen Erfahrungen engagierter Tierrechtler, wie z.B. Matt Ball  (Gründer von Vegan Outreach), und psychologische Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte etwas vollkommen Anderes aussagen, nämlich die häufige Irrationalität von Menschen, auch wenn es schwierig ist diese zu akzeptieren. 

Insgesamt stehen auf dieser Stufe Aufwand und Ertrag in einem ausgewogenen Verhältnis. Hier kannst du mit weniger Aufwand als in Punkt 1. mehr erreichen.

3. Auswirkungen des Verhaltens anderer auf andere

Veranschaulichung Aufwand-Ertrag von effektiven Organisationen

Was ist gemeint?

Wenn du, um wieder beim obigen Beispiel mit den Keksen zu bleiben, statt der teuren laktosefreien Kekse doch die Kekse gekauft hättest, die an 18ter Stelle Laktose beinhalten und den gesparten Aufpreis einer effektiven Tierrechtsorganisation gespendet hättest, dann hätte diese mit diesem Geld mehr Tieren helfen können, als du es mit der boykottierten Laktose getan hast.

Auswirkungen

Das hat damit zu tun, dass effektive Tierrechtsorganisationen auf Grund von Spezialisierung und Arbeitsteilung Vorteile gegenüber dir als Einzelperson haben, welche du nicht ausgleichen kannst, ganz gleich wie berühmt du sein magst und wie groß dein Freundes- und Bekanntenkreis ist.

Gerade dann, wenn du keine Berühmtheit, sondern ein normaler Mensch mit normalem Sozialleben, normalem Job und auch sonst normalen Lebensaktivitäten bist, kannst du Tieren am effektivsten helfen, in dem du die Organisationen unterstützt, die Tieren am effektivsten helfen.

Das kann natürlich auch durch die Einbringung der eigenen Arbeitskraft erfolgen, in der Regel ist aber die finanzielle Unterstützung der praktikabelste Weg.

Deine Unterstützung EFFEKTIVER Tierrechtsorganisationen hilft Tieren am MEISTEN!

Das Problem hier liegt psychologisch darin, dass es sich so anonym anfühlt. Hier gibt man einfach nur Geld. Man tippt in die Überweisungsmaske im Onlinebanking ein 10,00 Euro und dann erscheint es als -10,00 Euro in den eigenen Umsätzen und als +10,00 Euro in den Umsätzen des Kontos der effektiven Tierrechtsorganisation. Das sind alles nur Zahlen.

Es fühlt sich nicht nach dir an, nach deinem Wesen. Es fühlt sich nicht so an, als ob du etwas wirklich Wichtiges für Tiere bewirkst, ihnen in dem Moment der Überweisung wirklich hilfst. Es kann sogar sein, dass es sich für dich so anfühlt, als würdest du dich aus der Verantwortung „herauskaufen“.

Rein objektiv betrachtet führen diese Empfindungen aber in die Irre. Effektive Tierrechtsorganisationen erreichen eine Vielzahl von Menschen, können effektivere Lobbyarbeit leisten, da die Medien diesen zuhören und über diese berichten und nicht über dich.

Effektive Tierrechtsorganisationen können mit Lebensmittelherstellern zusammenarbeiten, um mehr pflanzenbasierte Produkte herauszubringen, welche wiederum von Millionen von Menschen täglich konsumiert werden. All diese Punkte bringen Tieren sehr viel. Und damit Tierrechtsorganisationen effektiv für Tiere arbeiten können, benötigen sie finanzielle Mittel.

Die Denkweise, welche Handlungen auf ihre Wirksamkeit beurteilt, ist unter dem Begriff Effektiver Altruismus bekannt. Wo Punkt 1. noch sinnbildlich das Motto Die Vermeidung des Vermeidbaren und damit einhergehend eher Ineffizienz verkörpert, versinnbildlicht Punkt 3. das Motto Die Ermöglichung des Möglichen und verkörpert damit Effizienz.

Fazit

Es kann sein, dass das oben Geschrieben auf dich so wirkt, als wäre Idealismus verkehrt und die Realität ganz anders in welcher du nur ein kompromissbehaftetes Leben führen kannst, welches ohnehin nicht zu Idealzuständen führen wird. Kompromisse sind in unserer unperfekten Welt notwendig, um das Maximum an Gutem zu erreichen.

Idealismus als alleiniges Handlungsmotiv kann unter Umständen tatsächlich Schaden anrichten, auch wenn das genaue Gegenteil beabsichtigt wird.

Jedoch ist Idealismus unabdingbar für unsere Zielfindung!

Der Idealismus weißt dir den Weg, wohin du willst.

Die oben genannte Baseline etwas modifiziert lautet dann so.

So viele Alle Tiere wie möglich vor Leid zu bewahren und allen so vielen Tieren wie möglich zum Glück zu verhelfen.

Ohne das idealistische Ziel, dass es allen Lebewesen gut gehen soll und keines mehr leiden muss, gibt es keine Schritte mehr Dinge auf der Welt zu verbessern und seien es nur kleine Schritte, welche das idealistische Ziel näherrücken lassen.

Die drei oben genannten Punkte spielen eine große Rolle, wenn du handelst. Und du handelst permanent, auch wenn es dir nicht immer bewusst ist. Versuche alle drei Punkte einfach bestmöglich auszufüllen. Und gemeint sind alle drei Punkte.

Zwar ist Punkt 3. der effektivste für Tiere, aber keine noch so effektive Tierrechtsorganisation kann für dich auf eine Party gehen und dort positiv auf die Partygäste wirken. Das kannst immer noch nur du selber! Genauso wenig wie eine effektive Tierrechtsorganisation deine Kaufentscheidungen treffen kann.

Das ist mein erster Blogpost auf veggie.de und daher habe ich hier recht grob skizziert, worum es in den nächsten Monaten auf veggie.de hauptsächlich gehen wird. Ich habe das Thema hier nur an der Oberfläche angekratzt und die nächsten Artikel und Videos werden die Unterpunkte, die es zu diesem Themengebiet gibt, thematisieren.

Bis demnächst :-)
Dein Matthias

Zusammenfassung

Dein Verhalten hat weitreichende Auswirkungen für Tiere. Gefühlt meinst du vielleicht, dass das rein eigene Verhalten den größten Effekt für Tiere hat. In der Realität sind jedoch deine Auswirkungen auf andere weitaus wichtiger und am meisten hilft Tieren deine Unterstützung einer effektiven Tierrechtsorganisation.

Und hier das Video zum Artikel

Matthias
Ich heiße Matthias und blogge auf veggie.de wie du dich effektiver für Tiere einsetzen kannst. Der Leitgedanke des Effektiven Altruismus und Erkenntnisse der Forschung psychologischer Wirkmechanismen des Menschen bilden dabei das Fundament.

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Matthias

Ich heiße Matthias und blogge auf veggie.de wie du dich effektiver für Tiere einsetzen kannst. Der Leitgedanke des Effektiven Altruismus und Erkenntnisse der Forschung psychologischer Wirkmechanismen des Menschen bilden dabei das Fundament.

Kommentare (2)

  • Heidi Terpoorten

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    Hallo Matthias, grundsätzlich verstehe ich was du sagen willst, halte deine Schlussfolgerungen allerdings für fraglich. Als Tierrechts Orga indirekt den Konsum von tierischen Produkten wie laktosehaltige Kekse zu unterstützen, hat für mich keine zielführende Aussage. Ich wünsche mir da ein anderes Beispiel für deine grundsätzlich diskutablen Thesen. Die Unterstützung großer Tierrechts Orgas wie PETA, Albert Schweizer Stiftung etc. ist wichtiger denn je, das stimmt natürlich. Vernetzung sowie persönliche Entscheidungen Einzelner, die wiederum das Gesamte fördern in politischer, soziokultureller, sozialer und individueller Hinsicht – als Konsument*in, etc….halte ich für wichtig – Miteinander und vernetzt.
    Lg heidi

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    • Matthias

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      Hallo Heidi, vielen Dank für deine Meinung!

      das Beispiel mit dem Keks habe ich bewusst gewählt, da hier der Konflikt zwischen ethischer Konsequenz und realer Auswirkung für die Tiere besonders sichtbar wird. So bitter die Erkenntnis ein mag, aber ein paar Milligramm eingesparte Laktose sind im Angesicht des Tierleids nicht maßgeblich, die Wirkung auf Omnis jedoch schlecht. Ab einem gewissen Grad führt ethische Konsequenz ungerechterweise letztlich zu schlechteren Ergebnissen, wenn andere genau deswegen von einer ethischeren Lebensweise abgehalten werden.

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